Ein ehemaliger ukrainischer Ministerpräsident in Haft in den USA – der Zweite in der Ukraine

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Russia Christian news – German version, May 2013

Vorsicht: Politik

 

Dr. William Yoder

 

Während April und Mai 2013 haben sich nahezu alle ukrainischen Kirchen – abgesehen von der übermächtigen "Russisch-Orthodoxen Kirche, Moskauer Patriarchat" – Petitionen unterschrieben, die eine sofortige Entlassung der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko fordern. Wjatscheslaw Nesteruk, Präsident der größten baptistischen Union der Ukraine, gehörte zu den kirchenleitenden Persönlichkeiten, die eine am 4. Mai veröffentlichte Petition unterschrieben.

Im Laufe der letzten 10 Jahre hatte die baptistische Unterstützung für Timoschenko nahezu 100% erreicht; ihre pro-westliche Außenpolitik und ihr Eintreten für die Glaubensvielfalt hatten die Protestanten des Landes durch die Bank von ihrer Sache begeistert. Im Parlament gehörten mindestens vier Baptisten und ein Pfingstler der "Block Julia Timoschenko" an. Der Baptist Alexander (oder Oleksandr) Turtschinow ist seit 1993 ein enger Mitarbeiter von Timoschenko und fungierte als Erster Stellvertretender Ministerpräsident während ihrer letzten Amtszeit als Ministerpräsidentin. Der ehemalige baptistische Jugendleiter Pawel Ungurjan gehörte ab 2007 dem Parlament an und spezialisierte sich dabei auf Sozial- und Familienfragen. Als Ungurjan 2009 nach den Gründen für die baptistische Unterstützung gefragt wurde, hatte er schnell eine Antwort: "Es wäre besser, wenn sich die Baptisten auf verschiedene politische Parteien verteilten. Doch leider ist nur eine Partei bereit, Baptisten in ihre Reihen aufzunehmen. Die anderen Parteien verfügen über keine Baptisten – sie wollen auch keine."

Der Berliner Journalist Frank Schumann veröffentlichte Ende 2012 ein Buch mit dem Titel: "Die Gauklerin. Der Fall Timoschenko". Er weist darauf hin, daß ein 2001 gegen sie eingeleitetes Gerichtsverfahren abgebrochen wurde sobald sie 2005 zum ersten Mal Ministerpräsidentin geworden war. Ich meine, die Wiederaufnahme des Verfahrens im Mai 2010 nach der Wahlniederlage rieche stark nach Siegerjustiz – wie das Einstellen des ursprünglichen Verfahrens 2005 aber auch. Man könnte durchaus behaupten, das Verfahren sei durch die Jahre an der Spitze des Staates nur unterbrochen worden. (Ihre zweite Amtszeit als Ministerpräsidentin währte von Dezember 2007 bis März 2010.)

Schumann weist ferner darauf hin, daß der Oligarch Pawlo Lasarenko, ukrainischer Ministerpräsident von 1996 bis 1997, aufgrund von Geldwäsche, Erpressung und Betrug von einem kalifornischen Gericht 2006 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Doch Timoschenko erhielt "nur" sieben Jahre. (Lasarenko wurde im November 2012 entlassen und hält sich weiterhin in den USA auf.) Nach "Wikipedia" hatte Lasarenko den ukrainischen Staat um 200 Millionen Dollar-US betrogen und war 2004 auf Platz 8 bei der von "Transparency International" geführten Liste der korruptesten Führungspersonen der Welt gelandet.

Bis 1999 waren Lasarenko und Julia Timoschenko geschäftlich eng miteinander verbunden. Beide gehörten dem berüchtigten Clan von Dnepropetrowsk an, dem die Erschießung von Jewhen (oder Jewgeni) Schtscherban und drei weiteren Personen auf dem Asphalt des Donetsker Flughafens im November 1996 angelastet wird. Schtscherban führte den rivalisierenden Clan von Donetsk an. Beiden wird vorgeworfen, für den Mord an Schtscherban mitverantwortlich zu sein und Timoschenko wurde im vergangenen Januar offiziell als Tatverdächtige mitangeklagt.

Aus den Indizien läßt sich zumindest schließen, daß Juli Timoschenko in den 90er Jahren in gravierenden, strafbaren Finanztransaktionen verwickelt war. Das Argument, das zu ihrer Freilassung verwendet wird, besagt, daß sie "nicht schuldiger ist als andere". Wahrscheinlich stimmt das. Doch eine derartige "Absolution" ist noch weit entfernt von einem moralischen oder juristischen Persilschein und liefert noch keinen Grund, ihr bei einer Wahl die Stimme zu geben. Die Protestanten der Ukraine wären gut beraten, ihren Einsatz für Timoschenko mit Bescheidenheit und Vorsicht zu versehen.

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