Von der Gastfreundschaft verstehen die Baptisten in Uljanowsk einiges

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Dr.phil. William Yoder

 

M o s k a u – Vom 8. bis 11. Juni feierten deutsche und russische Baptisten – und Christen überhaupt – in Uljanowsk das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen den Baptistengemeinden von Krefeld und Uljanowsk. Dies geschah im Rahmen der 12. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz sowie des 20-jährige Bestehens der Städtepartnerschaft Krefeld-Uljanowsk. Nach dem Baptisten Klaus Schilbach wurde bei den säkularen Veranstaltungen jedoch viel Schaum geschlagen. Eine gefeierte Flugverbindung Moskau - Uljanowsk besteht nach wie vor nicht; die Zahl der Schlaglöcher in der Wolgastadt vermehrt sich weiterhin an Zahl und Tiefe. Die Webseite der deutschen Botschaft in Moskau berichtet von Gesprächen über eine (nichtexistente) Behindertenhilfe. Unvergessen bleibt für die Krefelder Baptisten ein Vorfall aus dem Jahre 2008, als ein guterhaltender, nach Uljanowsk gebrachter Minibus mit Hebebühne wieder ausgeführt werden mußte. Der Bus hatte seinen 16. Geburtstag bereits hinter sich und die russischen Behörden belegten die Spende mit einem Einfuhrzoll von 9.000 Euro.

Nach den Angaben von Schilbach, einem pensionierten Studiendirektor und langjährigem Gemeindeleiter der "Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Krefeld", bestehe diese Städtepartnerschaft nahezu ausschließlich aus der Beziehung zwischen den beiden Baptistengemeinden an diesen Orten. Außerdem gebe es nur noch eine Dreieck-Verbindung zwischen der "Hochschule Niederrhein" und den Universitäten von Nischni Nowgorod und Uljanowsk.

Früher saßen russische Bürgermeister zu Gast in Krefeld beim Ehepaar Schilbach im Garten. Doch auch dieses Wenige ist nach Schilbachs Überzeugung seitens der jetzigen Oberbürgermeistern Marina Bespalowa nicht gewollt. "Diese Bürgermeisterin hat öffentlich erklärt, religiöse Gemeinschaften hätten bei dieser Partnerschaft nichts zu suchen. Es sind unsere Freunde an der Uni und in der Oblast, die bewirkten, daß wir bei den jetzigen Feierstunden überhaupt zum Zuge kamen." Schilbach betont, daß Gebietsgoverneur Sergej Morosow (Uljanowsk) die baptistische Verbindung nach seinen Möglichkeiten stets unterstützt habe.

Der ehemalige Gemeindeleiter ist auch traurig darüber, daß bei den Juni-Feierlichkeiten ein aus nur sechs Ständen bestehender "Markt der Möglichkeiten" schon nach drei Stunden abgebaut werden mußte. "Wir wissen nicht warum – es war eine reine Funktionärsveranstaltung." Er berichtet, daß die Schautafeln der Uljanowsker Gemeinde höchst professionell ausgefallen seien: "Die waren besser als unsere eigenen Sachen. Hut ab!" Diese negativen Vorkommnisse könnten teilweise auf ein hartnäckiges Erbe zurückzuführen sein: Uljanowsk (bis 1924 "Simbirsk"), die Geburtsstadt Wladimir Lenins, ist. z.T. noch bis heute ein beliebter, sozialistischer Wallfahrtsort.

Zwischenkirchliche Beziehungen

Schilbach bedauert, daß die baptistischen Unionszentralen in Moskau und Elstal (bei Berlin) diese Partnerschaft kaum wahrgenommen haben. In Rußland komme noch hinzu, sagt er, "daß die Menschen im weiten Lande ohnehin sehr skeptisch sind gegenüber allem, was aus Moskau kommt".

Man könnte meinen, daß Uljanowsk kein natürlicher Partner für die EFG Krefeld sei. Die Gemeinde Krefeld besteht aus nicht wenigen Menschen aus der eher liberalen Mittelschicht; die Baptistengemeinden des Gebietes Mittel-Wolga entwickeln sich hingegen theologisch in eine konservativ-fundamentalistische Richtung. Auf dem Grundstück neben der Baptistengemeinde in der Uliza Borodina 19 befindet sich auch die lockere, jugendhaft-wirkende, multi-ethnische und multi-sprachige Gemeinde des ukrainischen Pastors Sergei Guts. Doch deren pfingstlerische Art kommt auch nicht bei allen deutschen Gästen gut an. Diese Gemeinde gehört der sehr kleinen "Assoziation der Missionarischen Kirchen der Evangeliumschristen" an.

Eigentlich war es ein Katholik, der Leiter des "Katholischen Bildungswerkes Krefeld", der als Erster von den Baptisten in dieser Stadt schwärmte. Klaus Schilbach erzählt: Als dieser enge Freund 1993 die Uljanowsker Baptisten erstmals besuchte, "wurde er äußerst freundschaftlich aufgenommen. Da war eine persönliche Wellenlänge; die Chemie stimmte". Die Krefelder behaupten, der Uljanowsker Pastor Alexander Lewkowski und seine Gemeinde gehörten in Sache Herzlichkeit und Gastfreundschaft zur Weltspitze. "Das schenkt einem nur der Herr; so etwas läßt sich mit Geld nicht kaufen."

Kirchenbau, Suppenküche, Gefängnisarbeit, Fahrzeuge – es sind projektbezogene Gelder in sechsstelliger Höhe von Krefeld nach Uljanowsk geflossen. Doch Schilbach besteht darauf, daß die finanzielle Hilfe nie ein tragender Grund der Partnerschaft war. "Uns verbindet der Glaube an unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Theologische Ausgrenzungen haben nie eine Rolle gespielt!"

Für den Krefelder Studiendirektor gehören theologische Auffassungen in den Bereich der Ideologie. "Dogmatik und Ideologie muß man skeptisch betrachten - die eigenen wie die fremden. Ein Christ geht bei Rot über die Straße, ein anderer nicht. An welcher Stelle wollen wir mit dem theologischen Disput ansetzen? Entscheidend ist die gelebte Praxis. Von daher gab es unter uns noch nie ein theologisches Problem." Er räumt ein, es habe immer wieder Gespräche über die Rolle der Frau u.a. gegeben. "Wir haben alle Fragen immer ganz offen durchdiskutiert." Entscheidend sei immer das Herz. "Durch die Verfolgungszeit sind die Russen ganz anders geprägt worden als wir und wir haben keine Ahnung davon, was Verfolgung heißt. Um von jenen Traditionen los zu kommen, werden die nächste und übernächste Generation herangezogen werden müssen."

Doch Schilbach gibt zu bedenken, daß auch die Deutschen keineswegs die Toleranz in Person seien. Nicht wenige Mitglieder der Krefelder Gemeinde täten sich heute schwer mit den andersartigen Sitten und Gebräuchen eines Kreises von Neubekehrten aus dem Iran. Die Gemeinden beider Länder haben mit Strafentlassenen zu tun. In einer Gemeinde in Mülheim an der Ruhr erlebte Schilbach in den 60er Jahren einen "Riesenkrach, als wir in Verbindung mit einer Strafvolzugsanstalt traten und die jungen Männer von dort Kontakt mit unseren Mädchen bekamen."

Hat sich für die Pensionäre Klaus und Inge Schilbach der Verzicht auf einen ruhigen Lebensabend zugunsten der Partnerschaft gelohnt? Das beantworten sie mit einem eindeutigen "Ja! Keiner kehrte so heim wie er gegangen ist." In den zwei Jahrzehnten sind bis zu 40 Personen – und längst nicht nur baptistische Christen – mit nach Uljanowsk gefahren. Nach Schilbachs habe es beim Sammeln von Ressourcen "pausenlos Wunder gegeben. Und wenn Gemeinden Wunder erleben, werden sie verändert." Das Endergebnis dabei heiße Glaubensstärkung.

Nun geht das Ehepaar Schilbach auf die 80 zu – es werden andere die Führung übernehmen müssen. Wer das sein wird, ist noch unbekannt. Jedenfalls ist für 2014 ein Gegenbesuch in Krefeld angesagt.

Ein Kommentar: Auf das Herz und die Praxis zu schauen – vielleicht ist das ein verheißungsvolles Modell auch für den Umgang mit Aussiedern in Deutschland.

 

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